8. Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft

Der  8. Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft fand am 16. März 2018 in Berlin statt. Es war der erste gemeinsame Kongress der DGA-Bau und des VdBauImm, um Chancen und Nutzen der Effizienzpotenziale außergerichtlicher Streitbeilegungen zu verdeutlichen und  alternative Streitlösungsverfahren vorzustellen und zu fördern. Ziel der Initiative ist die Förderung und Ausweitung der außergerichtlichen Streitbeilegung in der Bau-und Immobilienwirtschaft. 

Moderatoren der Veranstaltung im Steigenberger Hotel am Kanzleramt
waren der Vorstandsvorsitzende der DGA-Bau, Prof. Dr. Claus Jürgen Diederichs sowie der Vorstandsvorsitzender des VdBaulmm, Prof. Dr. Shervin Haghsheno.

Themen des 8. Kongresses Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft:

  • Motive der Streitparteien in Bausachen zur Bevorzugung von Gerichtsverfahren gegenüber der außergerichtlichen Streitbeilegung
    (Univ.-Prof. Dr.-lng. Dipl.-Kfm. Shervin Haghsheno, ITMB, KIT Karlsruher Institut für Technologie)
  • Projektrealisierung mit mediativen Kompetenzen
    (Dipl.-Ing. M. Becker, GF Kondor Wessels Bouw Berlin GmbH Präsident des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg)
  • Fallbeispiele außergerichtlicher Streitbeilegung im Bauwesen
    - Fall 1: Streitvermeidung durch Schlichtergremium (Dipl.-Ing. Christian Dworski, Jost Hurler Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft, München)
    - Fall 2: Schiedsgutachten bei einem innerstädtischen Straßenbauprojekt
    (Dipl.-Wirtsch.-lng. Frank A. Bötzkes, Baubetriebliches Ingenieurbüro Bötzkes (BIB), Braunschweig)
    Verleihung der Förderpreise 2018 (Prämierung der besten Bachelor- und Masterarbeit zum Thema „Motive der Streitparteien in Bausachen zur Bevorzugung von Gerichtsverfahren gegenüber der außergerichtlichen Streitbeilegung“ sowie Prämierung eines Praxisbeispiels zum Thema Konfliktmanagement)
  • Rolle des Dienstleisters in der Mediation
    Referenten:
    - RA Dr. jur Andreas May, May und Partner RAe Mediatoren mbB, Frankfurt/Berlin
    - RAin Dr. jur. Sabine Renken, M. A., Buse Heberer Fromm, Hamburg
    - Dr. jur. Ralf Hangebrauck, Global Tech I Offshore Wind GmbH, Hamburg Dipl.-Ing. Karen  - Ludewig, Beratung und Projektmanagement, Seligenstadt Mediator RA Dr. Frank H. Schmidt, Nürnberg
  • Schlichtungsverfahren und -beispiele zu kleinen und großen Projekten aus der Schweiz
    (Dipl.-Bauing. ETH Martin Gähwiler, Bauschlichtung, CH Helbling Beratung + Bauplanung AG, Zürich)
  • Neues Bauvertragsrecht
    RA Prof. Dr. jur. M. Jung, Kapellmann und Partner Rechtsanwälte, Berlin / RA Dr. jur. C. F. Fischer, Kanzlei Arnecke Sibeth PartG mbB, München

DGA-Bau und VdBauImm: verstärkter Einsatz von Konfliktmanagement

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es jährlich 70.000 gerichtliche Streiterledigungen in Bausachen. Außergerichtlich werden nicht mal 2.000 Fälle gelöst. Deshalb ist es wichtig, dass die DGA-Bau und der VdBauImm für ihre gemeinsamen Interessen eng zusammenarbeiten. Beide Initiativen arbeiten interdisziplinär und kooperativ darauf hin, die Fallzahlen außergerichtlicher Streiterledigungen in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu steigern und damit volkswirtschaftliche Einsparungen in Milliardenhöhe zu erreichen.

Vorteile der außergerichtlichen Streitbeilegung gegenüber Gerichtsverfahren

Die Vorteile außergerichtlicher Streitbeilegungen gegenüber Gerichtsverfahren liegen auf der Hand:

  • deutlich kürzere Verfahrensdauern, 
  • wesentlich geringere Kosten, 
  • freie Wahl der außergerichtlichen Streitlöser durch die Parteien, 
  • Wahrung der Vertraulichkeit,
  • Möglichkeit der Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehungen.

Um diese Thesen schriftlich zu belegen, haben der Vorstandsvorsitzender der DGA-Bau, Prof. Dr. Claus Jürgen Diederichs und der Vorstandsvorsitzender des VdBaulmm, Prof. Dr. Shervin Haghsheno, an mehreren Publikationen mitgewirkt.

AHO-Schrift Nr. 37 „Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft"

Die im März 2018 beim Bundesanzeiger Verlag Köln erscheinende AHO-Schrift Nr. 37 „Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft" liefert fundierte Informationen zum Thema außergerichtliche Streitbeilegung für die gesamte Branche. Vertragsparteien und deren Anwälte haben dann die Möglichkeit, sich über alternative Verfahren zu informieren, anstatt jeden Fall vor Gericht zu verhandeln. Die Schrift dient außerdem als Grundlage des Weiterbildungslehrgangs Streitlöser DGA-Bau-Zert®.

KIT-Studie: „Ursachen der Bevorzugung von Gerichtsverfahren gegenüber der außergerichtlichen Streitbeilegung durch die Streitparteien im Bauwesen"

Als Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erhielt Prof. Dr. Shervin Haghsheno im Mai 2017 einen Forschungsauftrag vom Vorstand des DGA-Bau. Das Ziel war, zu eruieren, warum größtenteils Gerichtsverfahren alternativen Formen der Streitbeilegung vorgezogen werden.

Prof. Dr. Haghsheno interviewte Personen, die den Entscheidungsprozess im Zusammenhang mit der Auswahl von Streitbeilegungsverfahren beurteilen können. Um möglichst viele Sichtweisen in die Untersuchung einfließen zu lassen, waren alle am Konflikt beteiligten Gruppen im Bauwesen vertreten:

  • Öffentliche Bauherren 
  • Bauunternehmen
  • Gewerbliche Bauherren
  • Planungsunternehmen
  • Versicherungsgesellschaften
  • beratende Rechtsanwälte

Die Befragten waren alle seit 2010 an mindestens fünf Gerichtsverfahren beteiligt. Die Auswertung der Interviews ergab interessante Antworten auf die Frage, warum Streitparteien in Bausachen trotz aller Effizienzvorteile der außergerichtlichen Streitlösung den gerichtlichen Klageweg wählen. Zu den wesentlichen Ergebnissen gehört die Tatsache, dass die außergerichtliche Streitbeilegung vielen noch unbekannt ist, dass es viele Unklarheiten im Hinblick auf die Einordnung und die Eigenschaften der Verfahren gibt.

In der KIT-Studie legte Prof. Dr. Haghsheno auch dar, welche Maßnahmen zur deutlichen Erhöhung der Anzahl außergerichtlicher Verfahren zu entwickeln sind. Dazu gehören kurzfristig umsetzbare Maßnahmen wie Informations- und Kommunikationskampagnen mit den Beteiligten im Bauwesen ebenso wie langfristig wirkende regulatorische Maßnahmen seitens des Gesetzgebers.

ADR in der Ausbildung von Juristen und Ingenieuren

Die ADR-Thematik sollte auch in die Ausbildung von Juristen und Ingenieuren integriert werden, um Defiziten an Konfliktmanagementkompetenzen entgegenzuwirken und einen Wandel hin zu konstruktiven Streitkulturen zu erreichen. Diese notwendigen Anpassungen an veränderte konstruktive Streitkulturen betrifft nicht nur die jüngere Generation. Um eine kurzfristige Verbesserung im Umgang mit Streitigkeiten in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu erreichen, ist es erforderlich, dass sich auch die derzeit agierenden am Bau Beteiligten mit den Möglichkeiten außergerichtlicher Streitbeilegung befassen.

Die Ergebnisse der Studie wurden auf dem Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft von Prof. Dr. Haghsheno vorgestellt, verbunden mit einem dringenden Appell, auch an die anwesenden Projektbeteiligten, wonach auch erfahrene Architekten und Ingenieure sowie Juristen und Betriebswirte die Weiterbildungsangebote für Streitlösungen nutzen mögen, um das bauwirtschaftliche und baubetriebliche Knowhow und baurechtliches Wissen mit Streitlösungskompetenzen zu bündeln, um Angebote passender Konfliktmanagementmethoden und Streitlösungsverfahren im erforderlichen Umfang anbieten zu können.

Der 9. Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft findet am 29.03.2019 in Berlin, Steigenberger Hotel Am Kanzleramt statt.